Was ist eine Eigenverbrauchsgemeinschaft und wie starte ich?

Seit 2025 können Schweizer Immobilienbesitzer Solarstrom mit Nachbarn über virtuelle Eigenverbrauchsgemeinschaften teilen. Keine Kabel zwischen Gebäuden nötig — der Netzbetreiber erledigt alles über Smart Metering.


Was ist eine Eigenverbrauchsgemeinschaft?

Eine Eigenverbrauchsgemeinschaft (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, vZEV) ist eine virtuelle Gemeinschaft, in der mehrere Liegenschaften lokal produzierten Solarstrom teilen. Smart Meter an jedem Verbrauchspunkt (Wohnungen, Büros, Gebäude) messen die Stromflüsse und fassen sie zu einem virtuellen Messpunkt zusammen. Die Verteilung wird in 15-Minuten-Intervallen berechnet — es wird genau ermittelt, wie viel Strom aus PV-Anlagen innerhalb der Eigenverbrauchsgemeinschaft stammt und wie viel aus dem Netz bezogen oder zurückgespeist wurde. Anders als beim traditionellen ZEV, bei dem alle Teilnehmer auf dem gleichen Grundstück mit physischen Verbindungen sein müssen, ermöglicht eine Eigenverbrauchsgemeinschaft die Teilung von Solarstrom über Anschlussleitungen hinweg — keine privaten Kabel nötig.

Eigenverbrauchsgemeinschaft vs. traditioneller ZEV

ZEV

ZEV (seit 2018): Alle Teilnehmer müssen auf dem gleichen Grundstück sein. Erfordert physische elektrische Verbindungen. Typischerweise ein Gebäude mit mehreren Wohnungen.

vZEV

Eigenverbrauchsgemeinschaft (seit 2025): Teilnehmer können auf verschiedenen Grundstücken im gleichen Netzgebiet sein. Keine physischen Verbindungen nötig — die Zuteilung erfolgt virtuell. Kann mehrere Gebäude über ein Quartier umfassen.

Vorteile einer Eigenverbrauchsgemeinschaft

  • Höherer Eigenverbrauch — nutzen Sie mehr Ihres Solarstroms lokal, statt ihn zu niedrigen Tarifen ins Netz einzuspeisen
  • Tiefere Kosten — Mitglieder kaufen Solarstrom günstiger als Netzstrom
  • Keine Infrastruktur — keine Kabel oder Bauarbeiten zwischen Gebäuden nötig
  • Einfache Verteilung — Smart Meter stellen sicher, dass jedes Mitglied nur für seinen tatsächlichen Verbrauch bezahlt
  • Umweltwirkung — erneuerbare Energie lokal nutzen und Netzabhängigkeit reduzieren

Wer kann teilnehmen?

Jede Liegenschaft im Netzgebiet kann einer Eigenverbrauchsgemeinschaft beitreten. Sie benötigen mindestens eine Solaranlage (PV-Anlage) in der Gemeinschaft. Sowohl Wohn- als auch Gewerbeliegenschaften können teilnehmen. Mieter werden über ihren Eigentümer einbezogen. Die Hauptvoraussetzung ist die geografische Nähe innerhalb des gleichen Verteilnetzgebiets. Der Netzbetreiber stellt auf ihrer Webseite eine interaktive Karte zur Verfügung, auf der Sie prüfen können, welche Nachbarsliegenschaften für Ihre Eigenverbrauchsgemeinschaft in Frage kommen.

Eignungskarte des Netzbetreibers prüfen →

Voraussetzungen

Bevor eine Eigenverbrauchsgemeinschaft gegründet werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Technisch: Die PV-Anlage und alle Teilnehmer müssen am selben Verknüpfungspunkt angeschlossen sein. Die PV-Leistung muss mindestens 10 % der gesamten Anschlussleistung aller Teilnehmer betragen. Die PV-Anlage muss bereits in Betrieb sein — eine Anmeldung während der Bauphase ist nicht möglich. Smart Meter sind erforderlich; der Netzbetreiber installiert sie innerhalb von 3 Monaten nach Genehmigung.

Organisatorisch: Eine Kontaktperson muss als Ansprechpartner für den Netzbetreiber bestimmt werden. Der Abrechnungsprozess muss definiert sein — optional mit einem Dienstleister. Der Antrag muss mindestens 3 Monate im Voraus eingereicht werden.

Rechtlich: Alle teilnehmenden Parteien müssen ihre Teilnahme digital im Energieportal bestätigen.

6 Schritte zu Ihrer Eigenverbrauchsgemeinschaft

1Voraussetzungen prüfen

Überprüfen Sie, ob die Netztopologie-Anforderungen erfüllt sind. Nutzen Sie die Eignungskarte des Netzbetreibers, um zu prüfen, welche Nachbarn mit Ihnen eine Eigenverbrauchsgemeinschaft bilden können. Gebäude am selben Verknüpfungspunkt mit gleicher Farbe und Beschriftung auf der Karte sind potenzielle Partner. Alle 6 Schritte im Überblick auf www.bkw.ch.

2Im Energieportal registrieren

Registrieren Sie sich auf vzev.bkw.ch, um Ihren Antrag zu starten. Als Produzent, Verbraucher oder Dienstleister können Sie die Eigenverbrauchsgemeinschaft direkt registrieren — anders als beim traditionellen ZEV ist meist kein Elektriker nötig.

3Antrag eröffnen

Definieren Sie die Teilnehmer anhand ihrer Zähler- oder Messpunktnummern (zu finden auf Stromrechnungen oder am Zählerkasten). Erfassen Sie die Eigentümer mit Name, Adresse und E-Mail. Reichen Sie Eigentumsbelege für alle beteiligten Liegenschaften und PV-Anlagen ein. Eine automatische Vorprüfung zeigt sofort an, ob die topologischen Anforderungen wahrscheinlich erfüllt sind.

4Teilnahme bestätigen

Alle registrierten Eigentümer erhalten automatisch eine E-Mail-Einladung zur Eigenverbrauchsgemeinschaft. Sie bestätigen ihre Teilnahme digital im Portal. Sobald alle Bestätigungen eingegangen sind, können Sie Ihre Antrag für die Eigenverbrauchsgemeinschaft einreichen.

5Prüfung durch den Netzbetreiber

Der Netzbetreiber prüft Ihren Antrag auf Vollständigkeit und überprüft, ob alle technischen, organisatorischen und rechtlichen Anforderungen erfüllt sind. Nach der Prüfung bestätigt oder lehnt der Netzbetreiber die Eigenverbrauchsgemeinschaft ab.

6Ihre Eigenverbrauchsgemeinschaft aktivieren

Falls bei einzelnen Teilnehmern noch Smart Meter fehlen, installiert der Netzbetreiber diese innerhalb von drei Monaten. Sobald alle Zähler installiert sind, wird die Eigenverbrauchsgemeinschaft aktiviert und der Netzbetreiber beginnt mit der Erfassung der Energieflüsse Ihrer Gemeinschaft. Anschliessend können Sie Messdaten als CSV-Dateien aus dem Portal herunterladen.

Kosten und Abrechnung

Einrichtung: Keine Anfangskosten vom Netzbetreiber. Smart Meter werden auf Kosten von der Netzbetreiber installiert. Ab 2026 fällt eine monatliche Messgebühr pro Smart Meter und virtuellem Messpunkt an.

Interne Abrechnung: Die Eigenverbrauchsgemeinschaft legt seine interne Kostenverteilung im gesetzlichen Rahmen selbst fest. Der Netzbetreiber stellt 15-Minuten-Messdaten kostenlos über das Portal im CSV- oder EBIX-Format bereit. Selbstverbrauchter Solarstrom ist befreit von Netzgebühren, KEV-Zuschlag, SDL und Reservekapazitätsabgaben.

Haben Sie bereits eine Eigenverbrauchsgemeinschaft?

Wenn Ihre Gemeinschaft bereits läuft, hilft Ihnen der Jouli, einfache und transparente Rechnungen für jedes Mitglied zu erstellen.

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